Meine Stimme für Stuttgart Kommunalwahl 26. Mai 2019Stadt Stuttgart

Aktuell

Auszählung nach dem Höchstzahlverfahren

Das Berechnungsverfahren für die Sitzverteilung bei der Kommunalwahl ist seit der Gemeinderatswahl 2014 auf das Höchstzahlverfahren nach Sainte-Laguë/Schepers umgestellt. Bis dahin wurden die Sitze bei Kommunalwahlen in Baden-Württemberg nach dem d’Hondtschen Höchstzahlverfahren berechnet. Das Verfahren nach Sainte-Laguë/Schepers benachteiligt nicht länger kleine Parteien und Wählervereinigungen bei der Umrechnung der Wählerstimmen in Mandate.

Für die Gemeinderatswahl bedeutet dies: Die Stimmen für alle Bewerber einer Liste (auch die panaschierten) werden zusammengezählt. Die panaschierten Stimmen bleiben bei ihrem Kandidaten und bei dessen Liste. Die Gesamtstimmenzahl für die einzelne Liste entscheidet nach Sainte-Laguë/Schepers über die Zahl der Sitze, die eine Liste erhält.

Der deutsche Physiker Hans Schepers schlug 1980 eine Modifikation des Sitzzuteilungsverfahrens nach d’Hondt vor. Er war seinerzeit Leiter der Gruppe Datenverarbeitung des Deutschen Bundestages. Ziel des neuen Verfahrens war es, die Benachteiligung kleinerer Parteien zu vermeiden. Das von Schepers vorgeschlagene Verfahren kommt mit einer anderen Berechnungsmethode zu identischen Ergebnissen wie das 1912 von dem französischen Mathematiker André Sainte-Laguë (1882–1950) entwickelte Verfahren.
Das Sainte-Laguë-Verfahren ist ein Divisor- bzw. Höchstzahlverfahren. Von seiner Systematik her ist es mit dem Verfahren nach d’Hondt vergleichbar. Während jedoch das D’Hondt-Verfahren die Sitzansprüche generell abrundet, verwendet das Sainte-Laguë-Verfahren die Standardrundung.

Es werden bei Verwendung des Höchstzahlverfahrens die Stimmenzahlen nicht durch die Zahlen 1; 2; 3; …, sondern durch 0,5; 1,5; 2,5; … geteilt. Die Sitze für die einezlnen Bewerberinnen und Bewerber werden anschließend in der Reihenfolge der größten sich ergebenden Höchstzahlen zugeteilt. Hierdurch treten die Verteilungsverzerrungen zu Gunsten großer Parteien, die dem d’Hondt-Verfahren innewohnen, nicht auf. Auf der anderen Seite genügen beim Sainte-Laguë/Schepers-Verfahren weniger Stimmen, um als Liste einen Sitz im Gemeinderat zu erlangen. So erhielt beispielsweise bei der letzten Gemeinderatswahl die Studentische Liste – junges Stuttgart einen Sitz, den sie bei Anwendung von d’Hondt nicht erhalten hätte.

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